WIEN (HJ) - Die einseitige Berichterstattung in österreichischen Medien über die Ereignisse während der Trauerfeier für die Mordopfer von Kottingbrunn stieß auf scharfe Kritik.
OE24 berichtete, dass Canan K. während der Trauer beleidigt und brutal angegriffen wurde „weil sie kein Kopftuch trug”. Das wird jedoch von den Augenzeugen der Trauerfeier verneint. Wenn man die Berichterstattung der Zeitung liest, die die Geschehnisse unter dem Titel „Weil sie kein Kopftuch trug: Frau ins Spital geprügelt” berichtete, wird man ganz schnell feststellen, dass fast keiner Begräbnis-Teilnehmerin die Gelegenheit angeboten wurde, die Ereignisse aus ihrer Perspektive zu schildern.
Augenzeuge: „Die Sache hat nichts mit Kopftuch zu tun. Streitthema war eine geheime Videoaufnahme”
Haberjournal fragte bei Familienangehörigen, die die Ereignissen bei der Trauerfeier verfolgt haben, über die Behauptungen der Zeitung OE24 und Canan K. nach.
Ein Familienangehörige schilderte, dass der Bericht von OE24 nicht die Tatsachen wiedergebe und nannte es „Fake-News“. Der Streit soll eskaliert gewesen sein, nachdem Canan K. im Kondolenzhaus „geheime Videoaufnahmen” gemacht habe. „Als ein naheliegender Verwandter der ermordeten Frau bemerkte, dass Canan K. heimlich Videos aufnahm, hat er die Frau gewarnt und bat sie das unerlaubt aufgenommene Video zu löschen. Als Canan K. jedoch weigerte, bat er sie das Kondolenzhaus zu verlassen. Darüber soll Canan K. auf eine freche Art und Weise mit „Ihr könnt mich hier nicht rausschmeißen!“ geantwortet haben. Als dann Canan K. beim Verlassen des Hauses anfing, Beleidigungen um sich zu werfen, ging eine verbale Auseinandersetzung los. Jedoch gab es keine Gewalt, wie behauptet wurde”, so der Zeuge.
„Im Kondolenzhaus befanden sich viele Frauen ohne Kopftuch. Warum hat man aber nur mit Canan K. ein Problem gehabt?”
„Der Bericht mit dem Titel „Weil sie kein Kopftuch trug: Frau ins Spital geprügelt“ entspricht schlicht und einfach nicht den Tatsachen” sagte ein anderer Familienangehörige. „An diesem Tag befanden sich sehr viele Frauen im Kondolenzhaus, die keinen Kopftuch trugen. Wie kommt es, dass diese kopftuchlosen Frauen keine Reaktion auslösten, aber ausgerechnet nur die Frau Canan K.? Der Bericht entspricht schlicht und einfach nicht den Tatsachen”, so der Begräbnis-Teilnehmer.
„Trotz unserer Hinweise wurden Bilder von den Sterberesten der Opfer aufgenommen und an die Medien weitergegeben. Das ist unethisch!”
Der Familienangehörige kritisierte ebenfalls den „unethischen Umgang“ der Bürger mit Foto- und Videoaufnahmen. Er wies darauf hin, dass man trotz „mehrmaliger Hinweise” Bilder während des Trauergottesdienstes aufgenommen und an die OE24 weitergegeben habe. Man habe damit den von der Familie empfundenen Schmerz nicht respektiert und die Würde der Menschen durch dieses Verhalten zutiefst verletzt. Es sei nicht ethisch, unerlaubte Bilder von den sterblichen Resten der Opfer zu machen und sie dann noch zu illegal zu veröffentlichen.